Besuch bei Klein & Hummel
  
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Di, 07. Februar 2012, 04:54
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Autor Thema: Besuch bei Klein & Hummel  (Gelesen 3858 mal)
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« am: Mi, 23. September 2009, 19:38 »

So, heute war ich ja bei K&H. War sehr, sehr interessant. Wir hatten vorher ne Stunde vereinbart, etwas über 2 sinds geworden. Der gute Herr Wolf ist dort der Chefentwickler und hat die geamte aktuelle Serie entwickelt. Dort hat man einen relativ großen Raum, in dem alle Boxen aufgestellt sind und man alle umschalten kann. Es ist also tatsächlich ein AB Vergleich möglich.

Zunächst hat mir Herr Wolf die Theorie bzw. die Parameter erklärt, nach welchen sie die Boxen entwickeln. Wichtig sind in erster Linie für sie der FG, das Abstrahlverhalten, die Verzerrungen und die thermische Kompression. Besonders wichtig finden Sie, dass die Verzerrungen möglichst gering sind. Sie haben sogar einen Klippelmessstand. Obwohl die Formulierung besonders wichtig ist unglücklich. Sie halten wohl alle oben genannten Parameter für sehr wichtig, wobei die thermische Kompression im Studiobereich nicht gaaanz.

Was ich besonders interessant fand, war seine Ausführung zum Thema Raumakustik. Er meint, dass die Studios einen repräsentativen Mittelwert der üblichen Wohnzimmer darstellen. Mit Ausnahme des Bassbereiches. Allerdings gilt dabei die Raumgröße zu beachten. Klar, ein größeres Wohnzimmer "darf" auch länger nachhallen, beispielsweise. Schön war dann später ein Beispiel von mir, von Jennifer Warnes. In dem Lied ist ein heftiger Bass. Ich habe das noch auch keiner Anlage richtig erträglich hören können. Auf der O500 klappte es einigermaßen. Interessant war, dass ein Spektrum Analizer (Nennt man das Ding so?) mitlief und diese Basschläge bei etwa 63Hz lagen und voll ausschlugen. Die Anzeige ging bis +9dB. Voll ausschlagen soll aber in diesem Fall bedeuten, die +9dB reichten bei weitem nicht schreck Klar, dass das nirgends gut klappt. Herr Wolf meinte, dass das wohl ein eher schlechtes Studio gewesen sein könnte, wo eine heftige Auslöschung geneu in dem bereich ist. Der Abmischer dreht immer mehr reint, weil er meint, dass es zu leise ist. Und schwups ist die Aufnahme viel zu heftig. Klingt plausibel.

Naja, nun haben wir Boxen gehört. Sehr schön konnte ich den Sweetspot ausmachen. Leichte Bewegungen reichen bereits, um ihn zu verlassen. Aber imo in einem Bereich, mit dem ich sehr gut leben kann. Man konnte durch rumlaufen, wie oben beschrieben, auch die Bündelung schön ausmachen. Wie soll ich den Klang beschreiben? Eigentlich einfach, es klingt richtig. Man kann auch sehr schön, wenn man die Modelle umschaltet feststellen, dass das nächsthöhere Modell auch nächsthöher "besser" klingt. Wobei man einen Nahfeld- und Fernfeldmoniator wohl schlecht vergleichen kann. Dazu später noch etwas. Interessant auch, dass von der O410 zur O500 doch ein Sprung ist. Hätte ich nicht gedacht. Die O410 ist wirklich gut, aber die O500 irgendwie besser.

Die O500 ist auf ca. 27Hz Tuningfrequenz abgestimmt. Es gibt zwei FIR Programme. Das eine halt bis etwa 27Hz. Das andere bis 20Hz runter entzerrt schreck trotz BR Tuning auf 27Hz. Das geht! Aber natürlich zu Lasten des Maximalpegels. Integriert ist ein vorausschauender Limiter. Die FIR Weiche in der O500 ist übrigens eine Weiterentwickliung des Hugo. Prinzipiell ist es so gedacht, dass die O500 bei K&H auf linear per FIR linearphasig entzerrt wird. Dann kann der Kunde vor Ort mittels eines 10 Band IIR Filters minimalphasig auf den Raum korrigieren. Andere Möglichkeit ist, dass K&H vor Ort einmisst und dann aber auf der linearphasigen FIR Ebene.

Herr Wolf hat von linearphasig auf minimalphasig umstellen können. Das hat man deutlich gehört. Dazu erklärte er mir, dass es Aufnahmen gint, bei denen ein Hochpassfilter zum Einsatz kam, um alles unter ca. 30Hz abzuschneiden. Das führt zu einer erhöhten GLZ, was man im Bass hört. Hat er mir auch demonstriert. Ich war echt baff. Hätte ich nicht gedacht!

Nun hat er noch den passenden Subwoofer, bzw. zwei davon, dazu geschaltet. Das läuft dann über die Elektronik in der O500. Trennfrequenz ist dann 80Hz. Die o500 hat es mit dem 30er nicht nötig, aber man hört es, dass es einfach noch klarer klingt. Mehr Bass ist eigentlich nicht da, aber irgendwie einfach klarer. Naja, die Pegelfestigkeit steigt dann auch.

Apropos Pegelfestigkeit. Ich hatte Hugh Masekela aufgelegt, klar Stimela, der Eisenbahnsong, da sind ja fiese Passagen drauf, wenn er die Hupe "singt". Es war wohl laut, aber sicher nicht zu laut. Da sah ich doch glatt den Limiter angehen. Das hatte mich überrascht. War es doch schon so laut und ich habs nur nicht so empfunden? Naja, eine Diskussion mit Herrn Wolf wollte ich darüber nur ungern führen. Achso, das war ohne Sub und im "20Hz Modus". Vielleicht liegts daran.

Was ich noch zu Nahfeld- und Fernfeldmonitor sagen wollte. Nahfeld ist halt für Nahfeld gemacht. Es ist auch nicht so viel Aufwand betrieben, bezüglich engem Abstrahlverhalten, da der Raumeinfluss im Nahfeld bedeutend geringer ist. Seiner Meinung nach sei es sehr schwierig einen Nahfeldmonitor im Fernfeld zu betreiben. Es ist einfach nicht dafür entwickelt worden. Das klang alles sehr plausibel für mich. Dennoch war ich über den Klang sehr angenehm überrascht.

So, das wars erst einmal. Klar, war es Umfangreicher, als hier berichtet. Wenn also Fragen zu speziellen Punkten da sind, mag ich gern noch drauf eingehen.

Gruß

Stefan
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« Antworten #1 am: Mi, 23. September 2009, 20:27 »

Keine Fotos?  rolleyes
Ansonsten nur eine kleine Randbemerkung meinerseits. O500 steht zweifellos vor der 410, die empfinde ich dafür als Musikhörer gnädiger und dementsprechend auch langzeittauglicher.
Wenn du den Limiter an der 500 gesehen hast, dann war das sicher schon heftig laut und spricht für die RA des Vorführraumes. zwinkern

Grüsse Gerd
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markus
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« Antworten #2 am: Mi, 23. September 2009, 20:32 »

Gab's auch konkretere Auskuenfte zu Maximalpegel, Bassaufstellung (zum "Kitzeln" haette ich DBA erwaehnt), Raumentzerrung, Directivity, Waveguides, Hoerabstaende, Wandeinbau?

Was meinte er mit "dass die Studios einen repräsentativen Mittelwert der üblichen Wohnzimmer darstellen"? Welche Studios? Der Hoerraum bei K+H oder allgemein alle Tonstudios dieser Welt?

Gruss, Markus
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« Antworten #3 am: Mi, 23. September 2009, 20:40 »

Keine Fotos?  rolleyes
Ansonsten nur eine kleine Randbemerkung meinerseits. O500 steht zweifellos vor der 410, die empfinde ich dafür als Musikhörer gnädiger und dementsprechend auch langzeittauglicher.
Wenn du den Limiter an der 500 gesehen hast, dann war das sicher schon heftig laut und spricht für die RA des Vorführraumes. zwinkern

Grüsse Gerd

Was soll ich knipsen? Die Boxen? Schau ins Netz. Den Raum? Sah aus wie ein normaler Seminarraum. Auffallend nur etwas raumakustisches Tuning. Garnicht mal viel. Aber sicher ein guter Raum. Gute Sprachverständlichkeit. Wenig Nachhall.

Du meinst die O410 ist gnädiger? Mag sein, dennoch gefiel mir die O500 besser bei guten Aufnahmen.

Wie gesagt, so heftig laut fand ich es echt nicht.
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« Antworten #4 am: Mi, 23. September 2009, 20:48 »

Gab's auch konkretere Auskuenfte zu Maximalpegel, Bassaufstellung (zum "Kitzeln" haette ich DBA erwaehnt), Raumentzerrung, Directivity, Waveguides, Hoerabstaende, Wandeinbau?

Maximalpegel, Directivity, Waveguide siehe Internetauftritt. Zu den Waveguides hat er noch ein bischen erzählt. Bei der O500 hat er es mit handgemachten Mustern entwickelt. Über 300 Stück. Bei der O410 ist erstmals eine Software eingesetzt worden. Zur Berechnung eines WG braucht das Programm ca. 12 Stunden. Wichtig sei insbesondere die Ankopplung zum Treiber. Bei ner Kalotte sei es besonders schwierig. Bei nem Konusmitteltöner recht einfach. Wichtig auch das gleichmäßige Verhalten, also die korrekte Ankopplung zum benachbarten Chassis.

Bassaufstellung war ganz normales Stereodreieck. Die Subwoofer unter den O500.

Raumentzerrung wurde gemacht. Wie der FG dafür verbogen werden musste konnte er attok nicht sagen. Ich wollte ihn nicht bitten nachzusehen. Hörabstände bei Nahfeld halt dicht dran, so ca. 1-2 Meter. bei Fernfeld halt weiter weg. Wie weit ist zwar raumabhängig ab kann recht weit sein.

Über Wandeinbau haben wir nicht gesprochen.

Über DBA haben wir auch gesprochen. Er hat privat auch ne O500 und dazu ein oder zwei (hab ich vergessen) aktive Absorber am anderen Ende seines unbehandelten Wohnzimmers. Diese hat er zunächst linearphasig entzerrt und dann entsprechend auf die Mode angesetzt.

Zitat
Was meinte er mit "dass die Studios einen repräsentativen Mittelwert der üblichen Wohnzimmer darstellen"? Welche Studios? Der Hoerraum bei K+H oder allgemein alle Tonstudios dieser Welt?

Gruss, Markus

Allgemein Tonstudios dieser Welt. Wobei er auch ausdrücklich klar machte, dass es da sehr große Unterschiede zwischen gut und schlecht gibt.

Gruß

Stefan
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« Antworten #5 am: Mi, 23. September 2009, 20:53 »

Wie gesagt, so heftig laut fand ich es echt nicht.

Für mich eben ein Indiz für gute RA und gemäßigte NH, erlebe ich oft genug das dann um eine Ecke lauter gehört als empfunden wird.


Mag sein, dennoch gefiel mir die O500 besser bei guten Aufnahmen.


Ja, aber mein Musikgeschmack orientiert sich nicht an Aufnahmequalität.  zwinkern

Grüsse Gerd
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« Antworten #6 am: Mi, 23. September 2009, 20:57 »

Das stimmt wohl. Aber man kann ja zwei Setups in der FIR Elektronik machen. Eins für Kackaufnahmen und eins für gute ;-p
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markus
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« Antworten #7 am: Mi, 23. September 2009, 21:04 »

Allgemein Tonstudios dieser Welt.

Dann bleibt von "repraesentativer Mittelwert" nur noch "Mittelwert" uebrig. Zwischen 0 und 10 ist 5 auch der Mittelwert, aber "repraesentativ ist 5 weder fuer 0 noch fuer 10. Man sieht, dass bei K+H auch nur mit Wasser gekocht wird.

Gruss, Markus
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« Antworten #8 am: Mi, 23. September 2009, 21:07 »

Deine Aussage verstehe ich nicht wirklich. Dass die auch nur mit Wasser kochen ist doch klar. Auch wenn das Gespräch es wieder in Erinnerung rief. Aber wie gesagt, ich verstehe Deine Aussage nicht. Ob er nun genau das Wort verwendete kann ich noch nicht einmal mehr sagen.

Er meint damit, dass ein Tonstudio ein durchschnittliches Wohnzimmer darstellen soll. Wie gesagt, mit Ausnahme des Bassbereiches.

Stefan
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« Antworten #9 am: Mi, 23. September 2009, 21:10 »

Raumentzerrung wurde gemacht. Wie der FG dafür verbogen werden musste konnte er attok nicht sagen. Ich wollte ihn nicht bitten nachzusehen.

DAS waere 'mal sehr interessant gewesen. Auch die Erklaerung weshalb.

Hörabstände bei Nahfeld halt dicht dran, so ca. 1-2 Meter. bei Fernfeld halt weiter weg. Wie weit ist zwar raumabhängig ab kann recht weit sein.

Weshalb soll das raumabhaengig sein? Es ist wohl eher abhaengig davon, in welchem Mindestabstand die Treiber eine Einheit bilden.

Gruss, Markus
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« Antworten #10 am: Mi, 23. September 2009, 21:13 »

Warum raumabhängig? Weil ich nicht 10 Meter weit weg sitzen kann, wenn der Raum nur 5 Meter lang ist.

Ich saß dort etwa 2,5 Meter dicht dran. Vielleicht etwas mehr.

Stefan
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« Antworten #11 am: Mi, 23. September 2009, 21:14 »

Er meint damit, dass ein Tonstudio ein durchschnittliches Wohnzimmer darstellen soll.

Reines Wunschdenken - das sollte mein Beispiel illustrieren. Siehe Voetmann "50 Years of Sound Control Room Design"

Wie gesagt, mit Ausnahme des Bassbereiches.

Die Logik erschliesst sich mir nicht. Weshalb sollte der Bassbereich eine Ausnahme bilden?

Gruss, Markus
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« Antworten #12 am: Mi, 23. September 2009, 21:19 »

Markus, ich berichte von meinem Gespräch. Ich habe Deine Kritikpunkte nicht mit ihm diskutiert. Zum Einen kannte ich sie in dem Moment nicht und zum zweiten wollte ich was von ihm und mich nicht mit ihm streiten. Ich habe mir seine Argumentation weitestgehend angehört etwas diskutiert, aber nicht zu kritisch. Ob mir oder Dir oder sonst wem seine Ansichten etc. gefallen oder nicht, steht auf einem anderen Blatt.

Ich sagte ihm zum Ende hin auch, dass ich es schade finde, dass nicht noch viel mehr Entwickler in den Foren unterwegs sind. Er sagte mir dazu, dass man es intern bereits diskutierte und entschied, es nicht zu tun. Aus mehreren Gründen. Erstens aus Zeitgründen. Zweitens, es wird in den Foren seiner Meinung nach viel zu viel Quatsch geschrieben. Drittens der zwischenmenschliche Ton ist mitunter schlecht. Viertens, man könnte Mitbewerber dadurch auf Dinge bringen, auf die sei so schnell nicht gekommen wären.

Gruß

Stefan
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« Antworten #13 am: Mi, 23. September 2009, 21:20 »

Allgemein Tonstudios dieser Welt.

Dann bleibt von "repraesentativer Mittelwert" nur noch "Mittelwert" uebrig. Zwischen 0 und 10 ist 5 auch der Mittelwert, aber "repraesentativ ist 5 weder fuer 0 noch fuer 10. Man sieht, dass bei K+H auch nur mit Wasser gekocht wird.

Gruss, Markus

Magst Du mir das noch erklären?

Danke

Stefan
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« Antworten #14 am: Mi, 23. September 2009, 21:26 »

Warum raumabhängig? Weil ich nicht 10 Meter weit weg sitzen kann, wenn der Raum nur 5 Meter lang ist.

Stefan

Sorry, habe ich Deine Formulierung falsch verstanden. Dort steht der Hoerabstand waere raumabhaengig, doch richtigerweise ist er lautsprecherabhaengig. Ein zu kleiner Raum kann natuerlich grosse Boxentraeume zum Platzen bringen.

Gruss, Markus
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