Was kannst Du denn an Plattenspielern empfehlen?
Stefan
Das ist eine sehr komplexe Frage, da sie von einigen Faktoren abhängt...allein der Plattendreher macht noch keinen guten Ton.
Dazu gehört der Phono-Vorverstärker, der Plattenteller, der Tonarm und der Tonabnehmer....und GANZ wichtig(!) der Preis.
Ein Plattenspieler mit all seinen Varianten ist eine rein Mechanische Konstruktion und brauch enorm viel Material. Ein "normal" aussehender Dreher der Firma TW-Acustic (Edelschmiede) wiegt z.B. um die 60kg. Bei sowas muß das HiFi-Regal erst einmal zeigen, was es aushält

Bei den Tonabnehmern muß man sich entscheiden, ob man lieber ein MM (Moving Magnet) oder MC Moving Coil) System verwenden möchte. MC-Systeme sind meistens (deutlich) teurer als MM-Systeme. Die meisten bevorzugen MC, da allgemein behauptet wird, dass es besser auflöst. Vergleichbar sind beide Techniken mit Mikrofonen...Dynamisch (MM) und Kondensator (MC). Das Arbeitsprinzip ist fast identisch. Tonabnehmer haben den größten einfluss darauf, wie die Platte "klingt".
Wenn man sich dann für einen Tonabnehmer entschieden hat, muß der Tonarm auch damit umgehen können. Jeder Tonabnehmer hat ein Gewicht, welches durch das Gegengewicht ausgeglichen werden muß. Mit dem Gegengewicht stellt man auch den Auflagedruck der Nadel ein. Der Druck variiert, jeh nachdem was man erreichen möchte:
- "Festerer" Auflagedruck ist für einen tiefen Bass vorteilhaft. "Zu fest" kann die Nadel und/oder den Tieftontreiber zerstören (wenn kein vernünftiger subsonic-filter vorgeschaltet ist). Die höhen (feinauflösung) leidet ebenfalls darunter.
- "Sanfter" Auflagedruck ist gut für die Feinauflösung aber schlecht für den Bass. "Zu sanft" kann die Nadel springen lassen, wenn z.B. die Platte wellig ist oder ein sanfter Krazer vorhanden ist.
Irgendwo dazwischen liegt die Wahrheit

Zudem gibt es verschiedene Tonarmtechniken und längen um die Nachteile einer solchen Abtastung auszugleichen. Die Nadel ist bei einem "normalen" Tonarm nur an zwei Punkten zu 100% senkrecht in der Rille. Jeh nach Tonarmlänge ist die Neigung zur Idealachse unterschiedlich. Lange Tonarme eignen sich für eine saubere Abtestung besser...sind aber auch (deutlich) teurer.
Die Ideale Abtastung findet mit einem "Tangatialtonarm" statt (kennt jeder aus dem CD-Player). Auch hier gibt es verschiedene Techniken, aber eines haben ALLE Tangantialtonarme gemeinsam: Sie sind ALLE sehr teuer. Mit persönlich gefällt optisch auch nur ein einziger. Einer aus der Schweiz...von einem ehmaligen Uhrmacher. Kostet auch nur 7000€

Hat man sich für einen Tonarm + Abnehmer entschieden, muß der Tonarm nur noch auf den Plattenteller passen. Die meisten "günstigeren" Geräte z.B. kommen zB nicht mit einem 12" zurecht.
Beim Teller ist der Motor und die Fertigungsqualität entscheidend. Der Motor muß sehr gleichmäßig und ruhig laufen. Der Teller darf keine Umwucht haben und das Lager darf nicht haken.
Der Häufigste Kaufgrund ist allerdings die Optik. Er muß schick aussehen :-)
Hat man sich für alles entschieden, brauch man noch einen entsprechenden Phonovorverstärker. Er sollte unbedingt einen Subsonic-Filter (Rumpelfilter) haben und mit verschiedenen eingangsimpedanzen (am besten einstellbar) umgehen können.
Hat man dies alles bedacht, muß nur noch alles eingestellt werden und schon kann der hörgenuss losgehen

Natürlich kann man sich auch fertige Plattenteller+Arme kaufen. So einen hab ich auch. Pro-Ject hat da sehr gute Angebote. Nur mit dem Tonabnehmer und dem Phonopre muß man sich noch beschäftigen.
Puh...langer Text. Hoffe du hast bis hierhin durchgehalten und hab dich nicht vergrault ;-)
Gruß,
Moritz